Outings im Profifußball (m)

CN Suizid, Homofeindlichkeit

Der folgende Text behandelt unter anderem einen Selbstmord und Homofeindliche Handlungen.

Das letzte Jahr aus Outing-Sicht

Nach langen Jahren der Stille oder vereinzelten Outings am Karriereende gab in den vergangenen 365 Tagen gleich mehrere Outings von Profis aus dem Männersport. Im Juni 2021 outete sich Footballprofi Carl Nassib, damals Defensive End bei den Las Vegas Raiders. Auf Lead Blogger hatte ich dazu einen Text geschrieben. Es war das erste Outing eines aktiven Footballspielers, welches landesweit von den Medien wahrgenommen wurde.

Im Oktober 2021 outete sich der australische Fußballer Josh Cavallo. Wie Nassib nicht in den letzten Zügen einer auslaufenden Karriere, sondern sehr früh. Der frühere australische U20-Nationalspieler war zum Zeitpunkt 21. Obwohl der australische Liga-Fußball in Europa nur am Rande wahrgenommen wird, gab es eine internationale Welle an Solidarität aus dem Fußball. Geoutete Fußballer gab es zwar bereits vorher, allerdings meist in Verbindung mit einem gleichzeitigen Rücktritt oder einer zwischenzeitlichen Karrierepause. Allerdings musste Cavallo seit seinem Outing auch schon mit den leider bekannten Problemen kämpfen. Während eines Auswärtsspiels von Cavallos Team Adelaide United bei Melbourne Victory gab es homofeindliche Kommentare aus Richtung der Victory-Fans. Cavallo selbst stammt aus einem Vorort von Melbourne, spielte in der Jugend unter anderem bei Melbourne Victory.

Jake Daniels, Outing zum Karrierestart

Am 16.5.2022 gab es nun ein weiteres Outing eines Profis. Der 17-jährige Jake Daniels hatte erst Anfang des Monats sein Profidebüt für den englischen Zweitligisten Blackpool FC gegeben, als er im Spiel bei Peterborough United in der 81. Minute eingewechselt wurde. Nun outete er sich und erhielt wie Carvallo großen Zuspruch aus weiten Teilen der Fußballwelt. In Großbritannien von Harry Kane bis zur Prinz William ins Königshaus.

Vor acht Jahren gab es ebenfalls ein Outing eines aktiven Spielers. Der US-Nationalspieler Robbie Rogers war Anfang 2012 nach England gewechselt, tat sich beim damaligen Zweitligisten Leeds United aber eher schwer. Auch eine Leihe zum Drittligisten Stevenage blieb ohne Erfolg und der Vertrag wurde Anfang 2013 wieder aufgelöst. Im Februar gab Rogers dann sein Coming Out bekannt und beendete gleichzeitig mit 25 Jahren die Profikarriere. Letzteres widerrief er allerdings nur wenige Wochen später und wechselte zurück in seine kalifornische Heimat zu Los Angeles Galaxy. Dort lernte er wenige Wochen später seinen Partner Greg Berlanti kennen, der als Drehbuchautor an mehreren bekannten Fernsehserien wie Arrow, The Flash und Dawson’s Creek mitgeschrieben hat.

Der Flügelspieler lief noch bis 2017 für Galaxy die Außenbahn auf und ab, ehe eine schwere Knöchelverletzung das endgültige Karriereende erzwang. Mittlerweile sind Rogers und Berlanti verheiratet und Eltern zweier Kinder.

Eines der ersten Fußballer-Outings, welches ich mitbekam betraf Antonio Hysén. 2011 outete sich der damals 20-jährige Drittligakicker aus Schweden, worüber hierzulande auch die 11 Freunde berichtete. Hysén entstammt einer Fußballdynastie, sein Vater war bei Florenz und Liverpool aktiv, Bruder Tobias spielte lange für Göteborg und betritt wie der Vater einige Länderspiele für die Blågult (die „blau-gelben“).

Der tragische Fall Justin Fashanu

Justin Fashanu, fair use

Vor allem im Englischen Fußball hat das Thema eine historische Bedeutung, denn schon in den 1990 gab es das Outing eines aktiven Fußballers und leider endete dies tragisch. Justin Fashanu outete sich damals, nachdem er schon viele Jahre lang intern mit homofeindlichen Beleidigungen zu leben hatte. Vor allem sein Trainer bei Nottingham Forest anfang der 80er, Brian Clough, stellte Fashanu vor der gesamten Mannschaft bloß. Später attackierte der Trainer Fashanu mit einem Tritt gar körperlich und forderte seinen Spieler auf das Vereinsgelände zu verlassen. Fashanu weigerte sich und wurde am Ende von der Polizei abgeführt.

Fashanus Karriere ging danach leider abwärts, eine langwierige Knieverletzung warf ihn regelmäßig zurück und um Ruhe zu bekommen lebte er zwischenzeitlich in den USA und Kanada, ehe es 1989 wieder nach England ging. Nach zwei kurzen, erfolglosen Anläufen bei Manchester City und West Ham United war dem mittlerweile 29-jährigen klar, dass sich die Karriere dem Ende nähert. Gerade unter dem Aspekt des ständigen Versteckspiels, auch wenn Boulevard-Medien längst eine Ahnung hatten.

Die berüchtigte „The Sun“ bot Fashanu letztlich 80.000 Pfund und titelte Im Obtober 1990 auf der Titelseite „I am gay!“. Das große Outing, welches Fashanu damals auch Probleme einbrachte. Vor allem familiär. Sein Bruder John Fashanu war englischer Nationalspieler und neben Vinnie Jones einer der großen Stars der sogenannten „Crazy Gang“, wie man den Wimbledon FC damals nannte. Er hatte Justin erst Geld geboten um das Zeitungs-Outing zu verhindern und verstieß seinen Bruder nach dem Outing öffentlich. Noch vor 10 Jahren behauptete John sein Bruder habe mit der Homosexualität nur Aufmerksamkeit erhaschen wollen.

Das traurige Ende

Justin lebte zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Er war nach dem Outing wieder in die USA gegangen und arbeitete dort als Jugendtrainer. 1998 behauptete ein 17-jähriger, dass Fashanu ihn vergewaltigt habe. Nach einer ersten Befragung der Polizei wurde er nicht in Gewahrsam genommen, tauchte im Anschluss allerdings unter und ging zurück nach England. Dort sagte ihm jemand, dass er in der Zwischenzeit mit internationalem Haftbefehl gesucht wurde. Er schrieb einen Abschiedsbrief und erhängte sich am 2. Mai 1998 in seiner Garage.

Den Haftbefehl hatte es nie gegeben, die Untersuchungen hatte die Polizei aus Mangel an Beweisen eingestellt. Brian Clough gab sich später in seiner Autobiographie eine Mitschuld, da er Fashanu keine Hilfe geboten hatte.

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